Der Lober
Wir trafen uns im Biergarten, er hatte seit über einer Stunde umgehemmt rübergeglubscht. Es war keine Überraschung, als er nun mit dem Bierglas irgendwann an meinem Tisch auftauchte, ob da noch frei sei. Na, meinetwegen. Mit der wichtigsten Frage, die da wahrheitsgemäß lauten würde: „Wärest Du bereit nach einem kleinen, verbalen Kennenlernen mit mir zu poppen?“ kam er natürlich nicht raus, das ist kulturell bedingt…
Aber warum sonst glubscht jemand eine Stunde über den Tisch. Weil ich ihn an seine Mami erinnere bestimmt nicht. Er stellte mir die zweite mögliche Frage: „Wasch machst denn Du so beruflisch..?“ Ein Schwob also… Ich sagte „Empfehlungsmarketing“ – AHA. Und dann ging die Pyramiden-Schneeball-Fressketten-Lawine runter. Ich bremste sie herzhaft, mit dem Mund voller ebensolcher Schinkennudeln. „Hör auf!“ sagte ich authoritär „Mit derlei Ungemach und dumpfem Blödsinn habe ich mich mich schon wochentags genug auseinander zu setzen! Einigen wir uns doch einfach darauf, dass Du keine Ahnung hast, das musst Du aber nicht noch beweisen, bitte…“.
POTZ BLITZ. Er grinste. Aber dann trat der berühmte Gegenteil-Effekt ein… Er WOLLTE es genau WISSEN. Stellte richtig gute Fragen. Ich hatte mit diesen zwei Sätzen schon so viel Macht bewiesen, dass es kein Blödsinn sein KONNTE in seinen Augen. Und ich hatte nicht versucht etwas zu „beweisen“ etwas „richtigzustellen“ und etwas zu „erklären“. Wie sagt Gabi Steiner so schön: „Je mehr wir wollen, dass sie wollen, um so WENIGER wollen sie. Je weniger wir wollen, dass sie wollen, um so MHER wollen sie.“ Klassischer Fall
. Ich sagte, dass ich keine Lust hätte jetzt soviel über das Geschäft zu reden. Insbesondere auch deshalb nicht, weil er gleich sagte – auch ganz ohne nähere Sachkenntnis – dass das nichts für ihn sei. Dann muss ich auch nicht reden, ist ja schließlich nicht mein Interessent…
Und so spanndend ist das Thema ja nun auch nicht, dass ich nun gar nichts anderes mehr kenne.
Nach einer Weile sagte er voll des Lobes, dass er mir dringend ein dickes Lob aussprechen müsste. Ich hätte in keiner Weise versucht irgendwie über mein Geschäft zu reden und ihn irgendwie zu überreden oder so was. Ich schaute wohl recht sparsam. Und er sagte: „Ja – wenn man mit jemandem aus ‚Deiner Branche’ zu tun hat, tun die am Anfang auch so unbeteiligt und dann irgendwann haben sie das Thema dann doch am Wickel und reden und reden und reden… und das nervt dann schon massiv… Bin dann auch schon gegangen…“. Verständlich. Er schaute froh und erwartete ein Lob für seine feine Beobachtungsgabe
. Ich war an dem Tag nicht so sonderlich gut drauf, hatte gerade „Die Latent-Böse“ getroffen gehabt… Ich sah ihn lange schweigend an und sagte dann: „Ich finde es interessant, dass Du davon ausgehst, dass Du der Typ bist, den ich in mein Geschäft einladen würde. Welche Qualitäten hast Du denn, damit ich mich näher mit Dir beschäftigen hätte sollen…?“. Da schaute ER dann sparsam und man konnte zusehen, wie sich ein paar von den abstrusen Vorurteilen in seinem Kopf redigierten… Er lud mich aber trotzdem ein, liess sich davon auch nicht von meiner Gegenwehr abbringen… Die Schwob